Sie sind nicht nur nicht schön, sondern können auch erhebliche Beschwerden verursachen: Krampfadern - erweiterte Venen im Fettgewebe und in den obersten Hautschichten. Prof. Dr. Eberhard Rabe, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie, erläutert das Krankheitsbild und Behandlungsmethoden.
Was sind Krampfadern?
Damit das Blut in Richtung Herz gepumpt werden kann, sind in den Venen Klappen eingebaut, die das Blut nur in eine Richtung fließen lassen. Aus unterschiedlichen Gründen, etwa aufgrund einer Bindegewebsschwäche, können die Klappen undicht werden, und es kann zu einer Blutstauung in den Venen kommen. Menschen, die eine überwiegend stehende Tätigkeit ausführen, sind davon besonders betroffen.
Die erweiterten, ausgesackten oder geschlängelten Venen werden an der Hautoberfläche sichtbar. Außerdem büßen sie ihre Klappenfunktion ein. Nach den Ergebnissen der Bonner Venenstudie (Bonner Venenstudie der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie, Phlebologie 2003; 32: 1-14) leiden ca. 59 Prozent der Erwachsenen unter Venenerweiterungen, die dicht unter der Hautoberfläche verlaufen; und 14,3 Prozent haben Krampfadern im Unterhautfettgewebe, die noch nicht sichtbar sind, also noch keine Hautveränderungen und Schwellungen nach sich gezogen haben.
Sind Krampfadern erblich?
Aus der Literatur, aber auch aus der angesprochenen Bonner Venenstudie ergeben sich Hinweise darauf, dass beim Vorliegen von Krampfadern im engen Familienkreis (Eltern, Geschwister) ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung von Krampfadern besteht.
Kann man Krampfadern vorbeugen? Wie?
Die grundsätzliche Veranlagung zur Entwicklung von Krampfadern kann man nicht beseitigen. Frauen tendieren dazu eher als Männer, vor allem, wenn sie übergewichtig sind. Mehrere Schwangerschaften und das Alter begünstigen die Venenerweiterung. Während diese Faktoren – vom Übergewicht einmal abgesehen - kaum zu beeinflussen sind, kann man den Beschwerden, die aufgrund des Krampfaderleidens entstehen, vorbeugen.
Schweregefühl, Schwellungsneigung und Hautveränderungen, die entstehen, weil das venöse Blut aufgrund der gestörten Klappenfunktion nicht mehr richtig abfließen kann, können beispielsweise mit viel Bewegung günstig beeinflusst werden. Bei Übergewicht kann abnehmen helfen. Außerdem empfiehlt es sich, die Beine oft hochzulegen.
Gibt es Sportarten, die Sie besonders empfehlen und andere, von denen Sie abraten würden?
Grundsätzlich sind Sportarten günstig, bei denen die Beinmuskelpumpen betätigt werden, also Fahrradfahren, Schwimmen und Laufen. Alle Sportarten, bei denen es zu ruckartigen Druckerhöhungen im Bauchraum kommt – Tennis und Gewichtheben beispielsweise - sind eher schlecht, da es dabei kurzfristig zu hohen Drucksteigerungen und einem Rückstrom des Blutes in das Beinvenensystem kommt. Auch Extremsportarten sowie Leistungssport sind bei Venenkrankheiten nicht zu empfehlen.
Sind Krampfadern ein rein kosmetisches Problem?
Keineswegs! Während Venenerweiterungen in der obersten Hautschicht – man spricht dabei von isolierten Teleangieektasien und retikulären Venen - vorwiegend kosmetische Bedeutung haben, haben Krampfadern je nach Ausprägung einen erheblichen Krankheitswert. Das kann bis zu einem Offenen Bein gehen. In der Bonner Venenstudie konnte gezeigt werden, dass etwa 13 Prozent der erwachsenen Durchschnittsbevölkerung zum Untersuchungszeitpunkt ein eindrückbares Unterschenkelödem aufwiesen. 2,9 Prozent hatten Hautveränderungen im Unterschenkelbereich im Rahmen ihrer Venenkrankheit, und 0,7 Prozent wiesen ein abgeheiltes oder aktives Unterschenkelgeschwür venösen Ursprungs auf.
Wie kann man Krampfadern wirksam behandeln? Gibt es eine Behandlungsmethode, die Sie besonders empfehlen würden, weil Sie besonders schonend ist?
Nur die rechtzeitige Behandlung des Krampfaderleidens kann das Fortschreiten und die Komplikationen bis hin zum Offenen Bein verhindern. Die Therapie des Krampfaderleidens und der damit verbundenen chronischen venösen Insuffizienz umfasst eine ganze Reihe von Maßnahmen, die einzeln oder in Kombination eingesetzt werden.
Bei ausgeprägtem Krampfaderbefund wird man versuchen, die defekten Venen auszuschalten. Hierzu stehen klassischerweise operative Verfahren wie die Strippingoperation der Stammvenen oder die Verödungsbehandlung zur Verfügung.
In den letzten Jahren sind moderne so genannte endoluminale Verfahren wie die Hochfrequenztherapie der Stammvarikose, aber auch die endoluminale Lasertherapie als wenig invasive, ambulant durchzuführende Verfahren in Lokalanästhesie zum therapeutischen Spektrum hinzugekommen. Bei der endovenösen Lasertherapie wird ein Katheter in die Vene bis zur Leiste vorgeschoben. Beim Zurückziehen des Katheters wird über die eingelegte Laserfaser die Vene von innen erhitzt und so verschlossen. Die Ergebnisse der endoluminalen Verfahren ein beziehungsweise zwei Jahre nach Behandlung sind vielversprechend.
Auch bei der Verödungsbehandlung bringen neue Verfahren wie die Schaumverödung einen deutlichen Fortschritt in der Behandlung größerer Krampfaderbildungen.
Zur Basistherapie des Krampfaderleidens gehört außerdem die Kompressionstherapie mit medizinischen Kompressionsstrümpfen, die die Krampfadern zwar nicht beseitigt, jedoch die Entwicklung von Beschwerden weitgehend verhindern kann. Auch für einige Venenmedikamente konnte in kontrollierten Studien ein günstiger Effekt auf die Schwellungsneigung und das Beschwerdebild nachgewiesen werden.
Wie sehen die Langzeitergebnisse aus?
Das Krampfaderleiden ist ein chronisches Krankheitsbild, das durch keine der oben angeführten Maßnahmen mit 100-prozentiger Sicherheit dauerhaft zum Verschwinden gebracht werden kann. Vielmehr wird ein Teil der Patienten neue Krampfadern entwickeln.
Andererseits kommt es bei Unterlassen der Behandlung zu einem viel rascheren Fortschreiten des Krankheitsbildes und insbesondere zu möglicherweise schwerwiegenden Komplikationen an der Haut und im Unterhautfettgewebe bis hin zum Unterschenkelgeschwür mit erheblicher Einschränkung der Lebensqualität und der Leistungsfähigkeit. Die rechtzeitige Behandlung ist also entscheidend für die Lebensqualität und das Beschwerdebild der Patienten. Darüber hinaus ist auch bei erfolgreicher Therapie eine weitere Prophylaxe beziehungsweise eine regelmäßige Kontrolle sinnvoll, um frühzeitig neue Veränderungen erkennen zu können und einer Behandlung zuzuführen.
Die Bonner Venenstudie hat deutlich gezeigt, dass mit einem solchen Vorgehen, wie es in den letzten zehn Jahren zunehmend Eingang in die Versorgung gefunden hat, der Anteil der schweren Venenkrankheiten mit Hautveränderungen und Unterschenkelgeschwür, der vor ca. 20 Jahren noch bei ca. 14 Prozent lag, sehr deutlich auf 3,6 Prozent reduziert werden konnte.
Die Deutsche Gesellschaft für Phlebologie hat gemeinsam mit der Europäischen Herstellervereinigung für Kompressionstherapie (Eurocom) einen Leitfaden für die Behandlung von Venenleiden erarbeitet. Der Band "Venenleiden und ihre Therapie" umfasst 50 Seiten ist für 1,44 Euro Rückporto zu bestellen bei Eurocom, Geschäftsstelle, Postfach 100508, 52305 Düren.