Wohl keinen anderen Körperteil behandeln wir so stiefmütterlich wie unsere Füße. Fußerkrankungen machen sich anfangs mit leichten Schmerzen bemerkbar – keine unerträglich heftigen Schmerzen, aber spürbar und unablässig bohrend. Gehen wir endlich zum Arzt, konfrontiert der uns nicht selten mit der Diagnose: „Sie haben einen Knick-, Senk- oder Spreizfuß und müssen Einlagen tragen.“

Diese drei Punkte listete Franz Schede in seinem Standardwerk „Hygiene des Fußes“ auf, das im Jahr 1950 erstmals erschien. Mehr als ein halbes Jahrhundert später haben seine Worte nichts an Aktualität eingebüßt. Der Fuß, ein Wunderwerk der menschlichen Anatomie, bekommt noch immer nicht die Aufmerksamkeit, die ihm gebührt. Dabei haben wir es dem Fuß zu danken, wenn wir mitten im Leben stehen und aufrecht durchs Leben gehen können.

Dessen ungeachtet traktieren wir unsere Füße, der derzeitigen Schuhmode geschuldet, in einer Weise, die eigentlich den Tatbestand der Körperverletzung erfüllt. Wir zwängen unsere Füße in zu enge und zu hohe Schuhe, laufen (wenn überhaupt) über harten Asphalt statt über Gras und Moos. Wir stecken sie gar in Schuhe aus Plastik, die alles andere als atmungsaktiv sind, und wundern uns über Hauterkrankungen. Dann missachten wir die ersten Warnsignale unseres Körpers, den Schmerz, wenn wir unsere Füße zu sehr gepeinigt haben. Zu allem Überfluss lassen wir, wenn wir die Schmerzen irgendwann nicht mehr aushalten, oft genug fragwürdige Therapien über uns ergehen, statt auf die Idee zu kommen, unseren Lebenswandel zu ändern. Dabei übersehen wir eins: Die Füße sind das Fundament unseres Körpers. Wenn die Fußgesundheit beeinträchtigt ist, bleibt das nicht ohne Auswirkungen auf unser gesamtes Leben.

Eine genaue Diagnose und eine individuell auf die Bedürfnisse des Patienten abgestimmte Behandlung ist unbedingt erforderlich. In den vergangenen Jahren hat sich in der Orthopädie in Deutschland sehr viel getan. Wir haben Anschluss an die therapeutischen Konzepte in Ländern wie Italien, Spanien, Frankreich, Großbritannien und USA gefunden – dort hat man früher als bei uns die Notwendigkeit einer Spezialisierung erkannt. Mindestens ebenso wichtig ist, dass die Menschen um das ihnen geschenkte „Kunstwerk Fuß“ wissen und es entsprechend pflegen. Damit ihr Körper-Fundament nicht bröckelt.

Dr. Daniel Frank
Präsident der Deutschen Assoziation für Fuß und Sprunggelenk (DAF)
Remigius-Krankenhaus-Opladen
An St. Remigius 26
51379 Leverkusen


Aus dem Inhalt

In Bewegung

Rund um einen gesunden Rücken

Gartenzeit: Saison für Rückenschmerzen?

Dem Alltagsstress entfliehen

Alles was Recht ist

Abschied: Die Patientenverfügung als Teil der Vorsorge

Im Fokus

Fundament unseres Körpers

Von ägyptischen, Lilien- und anderen Füßen

Damit die Kleinen große Sprünge machen

Wenn's nicht mehr läuft, wie es soll

Niemand muss durchs Leben humpeln

Am Anfang: Plattfuß

Operation Hallux Valgus

Krumme Zehen müssen nicht sein

Auf dem Sprung

In der Praxis

Das verzerrte Ich

IGeL-Serie (4): Heilen mit der Kraft des Magnetfeldes

Aus der Forschung

Das fatale Zwiegespräch zwischen Knochen- und Tumorzellen

Aus der Technik

An der Schnittstelle der Schöpfung



bvo 21.04.2005