Der Nutzen der Hormon-Ersatz-Therapie (HET) zur Vorbeugung und Behandlung von Osteoporose ist auf dem Prüfstand. Zwar ist unbestritten, dass die Gabe von Sexualhormonen den Knochenschwund bei Frauen nach den Wechseljahren den Knochenschwund bremsen können. Diesem therapeutischen Nutzen stehen jedoch unverhältnissmäßig große Risiken gegenüber. Das belegt zum einen die Women’s Health Initiative-Studie in den USA, die wegen untragbarer Risiken für die Probandinnen im Juli dieses Jahres vorzeitig abgebrochen wurde; zum anderen zeigt die im August 2003 in Großbritannien veröffentlichte „Million Women Study“, dass ein Verzicht auf Sexualhormone angebracht scheint. Warum? In den vergangenen zehn Jahren erkrankten etwa 20.000 britische Frauen an Brustkrebs - weil sie Hormone nahmen.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat deshalb eine Anwendungsbeschränkung der HET initiiert, die am 1. November dieses Jahres in Kraft treten wird. Diese beinhaltet, dass auf den Beipackzetteln von Arzneimitteln zur HET klarer auf die Risiken hingewiesen muss und die HET nur noch bei ausgeprägten Wechseljahresbeschwerden angewandt werden soll – und nur, nachdem die betroffene Frau aktiv in die Entscheidung pro oder contra HRT einbezogen wurde. Die Behandlung sollte so kurz und so niedrig dosiert wie möglich sein.

Welche Risiken wurden erkannt?
Nach Angaben des Berliner Zentrums für Muskel- und Knochenforschung haben verschiedene Studien gezeigt, dass das Risiko für Frauen, an Brustkrebs, den Herzkranzgefäßen oder Demenz zu erkranken oder einen Herzinfarkt, eine Embolie oder einen Schlaganfall zu erleiden, signifikant höher ist, wenn sie Hormone schlucken.

In der Women’s Health Initiative-Studie zeigte sich, dass nach 5,2 Jahren (Geplant waren achteinhalb Jahre) die Frauen, die mit einer Östrogen-Gestagen-Kombination behandelt wurden, ein Drittel weniger Wirbelkörperbrüche erlitten als die Frauen der Placebo-Gruppe. Auch Oberschenkelhalsbrüche kamen in der Hormongruppe seltener vor.

Um jedoch fünf Osteoporose bedingte Frakturen pro Jahr zu verhindern, müssten 10.000 Frauen ein Jahr lang Hormone nehmen. Darüber hinaus wirken die Hormone nur so lange gegen Osteoporose, wie sie eingesetzt werden. Das heißt, sie wirken nur gegen den Knochenabbau, bewirken jedoch keinen neuen Knochenaufbau. Eine Frau müsste also bis ins hohe Alter Hormone schlucken, um sich gegen Osteoporose bedingte Knochenbrüche zu schützen. Das ist jedoch aufgrund der genannten Risiken nicht mehr vertretbar.

Andere Therapien gegen Osteoporose
Im Kampf gegen Wechseljahresbeschwerden hat sich die Hormon-Ersatz-Therapie bewährt. Die Risiken sollten jedoch sorgfältig gegen den Nutzen – also die Linderung der Beschwerden – abgewogen werden. Wenn eine Frau nach den Wechseljahren gesund ist, gibt es keinen Grund, dass sie weiterhin Hormone einnimmt.

Auch für eine Hochrisikopatientin empfehlen sich Hormone nicht mehr. Biphosphonate (Alendronat und Risendronat) sowie die SERMS sind hier in Verbindung mit einer ausreichenden Kalzium- und Vitamin-D-Versorgung geeigneter.

Das am häufigsten getestete Biphosphonat ist das Alendronat Schon nach drei Monaten kann es die Knochendichte der Wirbelsäule nachweislich erhöhen, nach einem Jahr senkt sich das Risiko für Wirbelbrüche um 40 Prozent. So können praktisch die Hälfte der durch Knochenschwund verursachten Frakturen verhindert werden, wenn rechtzeitig Biphosphonate verabreicht werden.

Frauen in der Menopause, die sich bislang immer gesund fühlten, aber eine erniedrigte Knochendichte (Osteopenie) haben, ist zu empfehlen, auf eine knochengesunde Ernährung mit ausreichend Kalzium und Vitamin D zu achten und regelmäßig Sport zu treiben.

Jana Ehrhardt

bvo 22.09.2003